Desiderata

(„gew√ľnschte Dinge“) ein Gedicht von Max Ehrmann

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast, und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.

Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen.
√Ąu√üere deine Wahrheit ruhig und klar und h√∂re anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden, denn auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen. Sie sind eine Qual f√ľr den Geist.

Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir nichtig vorkommen, denn immer wird es jemanden geben, der größer ist als du.

Freue dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner Pläne.
Bleibe weiter an deinem eigenen Weg interessiert, wie bescheiden auch immer.
Er ist ein echter Besitz im wechselnden Gl√ľck der Zeiten.

In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lasse Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug. Aber nichts soll dich blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit.

Viele Menschen ringen um hohe Ideale und √ľberall ist das Leben voll Heldentum.

Sei du selbst.

Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung, noch sei zynisch, was die Liebe betrifft.
Denn auch im Augenblick aller D√ľrre und Entt√§uschung ist sie doch immerw√§hrend wie Gras.

Ertrag freundlich und gelassen den Ratschluss der Jahre.
Gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf.

St√§rke die Kraft des Geistes, damit sie dich in pl√∂tzlich hereinbrechendem Ungl√ľck sch√ľtze, aber ersch√∂pfe dich nicht in Phantasien.

Viele √Ąngste kommen aus Erm√ľdung und Einsamkeit.

Neben einer heilsamen Selbstdisziplin sei freundlich mit dir selbst.

Du bist ein Kind Gottes, genauso wie die Bäume und Sterne.
Und ob es dir bewusst ist oder nicht, es besteht kein Zweifel, das Universum entfaltet sich wie vorgesehen. Darum lebe in Frieden mit Gott, was f√ľr eine Vorstellung du auch immer von ihm hast.

Was auch immer deine Arbeit und dein Sehnen ist, erhalte dir den Frieden mit deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens.

Mit all dem Übel, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist es dennoch eine schöne Welt. 

Strebe behutsam danach, gl√ľcklich zu sein.

Aus: ‚ÄöPoems‚Äė [Boston, Mass., 1944] wurde 1927 vom deutsch-amerikanischem Dichter Max Ehrmann [1872-1945] verfasst.
Als ‚ÄöDesiderata‚Äė 1958 vervielf√§ltigt vom Pfarrer der Kirche St. Paul‚Äôs in Baltimore auf einem Gebetszettel, auf dem der Name der Kirche und deren Baujahr 1692, nicht aber der Name des kaum bekannten Poeten, im b√ľrgerlichen Leben ein Richter, stand.